Eichenhof Uhsmannsdorf

 

 

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Jahresrückblick 2004

vom Eichenhof

 
   

Schatten, die auf unser Leben fallen, sind nichts anderes als ein sicheres Zeichen dafür, dass es irgendwo ein Licht geben muss, das es sich lohnt zu suchen.

Silvester 2004/2005:

Ich sitze vorm Computerbildschirm und komme meiner letzten Schreibarbeit für dieses Jahr nach:

Den Jahresrückblick.

Unten in der Küche kochen, backen, rühren, schneiden, Pünktchen, Elisabeth, Katharina und Falk. Ach nein, Falk schließt gerade die Steckdose und den Lichtschalter in unserem Essensraum an, in dem heute Abend 25 Menschen gemütlich bei Lampions und Luftschlangen, Fondue, Raclette, Mongolentopf, heißem Stein in der gestern noch fertig gewordenen Sitzecke mit großem Tisch, Platz finden und den Jahresausklang feiern. Draußen im unmittelbar angrenzenden Wald, der in der jetzigen Jahreszeit ohne Schnee weit einsehbar ist, steht unser großer Lieferbus, in den Susanne, Annemarie, Markus, Michael und ein Teil der Kinder Unmengen von Holz stapeln. Einerseits Holz für unseren Holzvergaser andererseits Holz für die große 5000ltr. Badewanne, die heute Nacht noch durchs Neujahrsanbaden in Aktion kommen wird.

 

Badezuber mit Annemarie, Elisabeth, Georg, Wolfgang Sommer 2004

 

Im großen Badezuber fing auch das Jahr 2004 an. Allerdings nicht bei Plus-Temperaturen, sondern bei Schnee und Kälte.

Kreisrund um das lodernde Feuer unter dem Eisentrog waren Eisplatten von Markus und Michael zu bizarren Türmen aufgebaut worden. Teelichter in den Kunstwerken zauberten eine unwirkliche

Welt, Schwedenfeuer warfen flackernde Schatten auf die Anwesenden. Feuer und Eis verbanden sich zu einem atemberaubenden Schauspiel und versprachen für das kommende Jahr 2004 ungewöhnliche Schatten und Lichtquellen.

Der Januar wurde von Michael und mir zur geistigen Orientierung genutzt. Ende des Monats besuchten wir über ein langes Wochenende die Tagung „Wie Kinder lernen“ in Stuttgart und kamen voll neuer Impulse nachhause und nochmals darin bestätigt, die richtige Entscheidung für unsere Kinder getroffen zu haben, diese täglich 70 km weit in die Waldorfschule nach Cottbus zu schicken. Zwei Wochen später fuhr Michael auf die Landwirtschaftstagung nach Dornach/Schweiz, um dort im anthroposophischen Zentrum über die Landwirtschaft und das Geld unterrichtet zu werden.

Zu Hause schmiss Steffi, eine 3-monatige Winter-Praktikantin den Stalldienst. Ich steckte viel Zeit und Kraft in die neue Waldorfinitiative zur Gründung einer Waldorfschule in Görlitz.

Mitte Februar verließ uns nach einem ¾ Jahr Vera. Für ihren Einsatz, insbesondere für mich als Arbeitsersatz in meinem Wochenbett, werde ich ihr immer dankbar sein.

Nun wieder auf der Suche nach Menschen zur Verstärkung unseres Teams, meldete sich Ende Februar Franziska mit ihren drei Mädchen zum Praktikumsbesuch für eine Woche. Gleich darauf kam uns Susanne mit Levin besuchen. Auch sie war mit ihrem 2,5 Jahre jungen Sprössling auf der Suche nach einem Hof. Susanne und Levin sind uns geblieben. Wir erleben Susanne immer als ruhig und mit einer innerlich lebenden Kraft und Stärke. Im März zogen die beiden ein und nach unserem ¾ Jahr Zusammensein ist sie für uns mehr als eine wertvolle Mitarbeiterin für Stall, alles rund ums Schaf und Ernten aus einem liebevoll angelegten Hausgarten geworden.

Über das Jahr durften wir viele Menschen beherbergen: Ich denke an unsere vier mal zwei Waldorfpraktikanten aus Dresden, Jena, Cottbus und Ludwigsburg, an Wilhelmine, die mit ihren 60-Und Jahren quer durch Deutschland tingelt und mir ein wunderschönes rotes Leinen-Festtagskleid gekauft hat, weil sie mir unbedingt etwas Gutes tun wollte. An Jule, Adriane, die vielen Bäcker, die sich in unserer kleinen 10m² Backstube erprobten, an Peter das viel versprechende Backtalent, an die kleine Julia, die jeden Freitag unseren Kindern den Umgang mit den beiden Ponys lehrt, an Josefin und ihre Geduld, Georg Gitarre beizubringen und noch viele andere Menschen, die für einen kürzeren oder längeren Augenblick unser Leben mit dem ihrigen teilten. Dankbar bin ich auch den Menschen, die uns nun schon so lange treu sind: Meiner lieben Daniela Ohnesorge im Büro, die jeden Anrufer mit Eichenhof-Ohnesorge begrüßt und ich wirklich das Gefühl habe, ist sie da, habe ich - was das Büro betrifft - keine Sorge; an Ricarda, die uns im alten Jahr die Käserei akribisch sauber hielt und als rechte Käsereihand von Michael doch so Einiges möglich gemacht hat. Auch Heidrun als dritte Kraft im Bunde für Käserei und Käsekeller zuständig, verdient Erwähnung. Eine uns sehr wichtig gewordene Person möchte ich nicht vergessen: Unsere allerbeste Marktfrau Pünktchen alias Nicol, die auch seit April mit uns zusammenwächst und jetzt mit ihrem Lebenspartner und uns wertvollem und verlässlichen Warenkoordinator und Handwerker, Heiko auf dem Hof lebt.

Unserer lieben Elsbietha mussten wir Ende August nach ihrem FÖJ-Jahr auf Wiedersehen sagen. Ihr Davongehen hat bei allen, insbesondere bei den Kindern eine Lücke hinterlassen. Wie oft hatte sie für Groß und Klein ein sorgendes Herz und offene Arme für Kummer und Verdruss. Wir wünschen ihr auf ihrem weiteren Lebensweg, dass ihre Arbeit auch anderswo segnend wirkt und ihr helles Wesen die Dunkelheit durchbricht.

Dank gilt Dima, der für 16 Monate Kunden und uns das leckere Eichenhofer Brotsortiment und andere kleine Köstlichkeiten, wie Knäckebrot nach seinem Schwedenurlaub buk. Unter beidseitigen Tränen mussten wir auch ihn Ende August verabschieden, weil von den Behörden eine Arbeitsbewilligung nicht ausgestellt wurde.

Und wenn ich in diesem Zug an Menschen denke, die hier geholfen haben, soll Tante Elisabeth nicht fehlen: Mit einer Selbstlosigkeit holt sie wöchentlich Bergeweise unsere Schmutzwäsche ab und bringt sie postwendend gewaschen, getrocknet, gelegt, wo nötig geplättet, wieder ins Haus. Teilweise schaffe ich es nicht, die Saubere schon verräumt zu haben – sie ist deswegen nicht beleidigt und dafür danke ich ihr. Onkel Hans ist die gute Seele, die dafür sorgt, dass das Backofenbrennholz nicht ausgeht und dass der Scheunengottesdienst zwischen Weihnachten und Neujahr zur Andacht wird.

Und letztendlich meinen Eltern gebührt Dank für emotionale Unterstützung übers Telefon, wenn der Schuh drückt, für Arbeitseinsätze auf dem Hof und Kinderversorgung, so dass ich bei ihren Besuchen immer die Möglichkeit habe Altlasten aufzuarbeiten und organisatorisch den Hof ein großes Stück wieder voranzutreiben.

Hofgemeinschaft Juni 2004

Mit so vielen Menschen über das Jahr unter einem Dach, konnte auch viel geschehen. Als Highlight möchte ich die Taufe im Mai von unserem jüngsten Spross Lorenz mir ins Gedächtnis rufen. Meine Mutter zauberte ein Kuchenbuffet, an das sich alle Gäste von Nah und Fern noch lange erinnern werden. In einem großen Tischkreis um unsere kleine Hofeiche deckten die Mitarbeiter mit nunmehr schon traditioneller Eindeckung weiß/rot und Feldblumen eine Riesentafel. Die Feier erinnerte mich an ein Dorffeste in Frankreich.

 

Schafdrillingsmutter

Landwirtschaftlich war das Jahr von reicher Ausbeute: Wir konnten über unseren Jahresbedarf Heu einbringen. Die Getreideernte entsprach auch den Erwartungen und die Schafe weideten ausgiebig auf dem angebauten Ackerfutter – die Lämmer sind derzeit immer noch auf dem Grünfutter. Die Ablammungen verliefen gut, innerhalb der 10% Verlustrate.

Der Hofstab und meine Eltern ermöglichten uns als Familie Ende Juli für zwei Wochen einen geteilten Urlaub. Die erste Woche verbrachten wir bei alten lieben Freunden auf einen Demeterhof in der Lüneburger Heide. In der zweiten Woche campten Michael und ich nur in Begleitung unseres jüngsten einjährigen Lorenz im neu angeschafften VW-Familienbus auf Rügen.

Im zweiten Halbjahr stieß ein begnadeter Handwerker zu uns. Rene hat in seiner Anwesenheit bisher viele große uns kleine Werke entstehen lassen. Wie zum Beispiel ein gemütlich ausgebauter Bauwagen mit Backsteinofen im Zimmer für unsere Annemarie, die im September über das FÖJ aber dann durch widrige Umstände letztendlich als Jahrespraktikantin außerhalb des FÖJ zu uns stieß. Im Charakter ruhig und still und unermüdlich bei der Arbeit, hat sie sich in den Herzen aller Hofbewohner einen großen Platz verdient.

Ende Oktober bekam der Eichenhof neue Tiere. Michael verwirklichte sich seinen Traum, Schweine in die Freilandhaltung zu bringen. Professionellst beraten von dem „Schweine-in-Freilandhaltung-Experten" Bernd Schulz, wurde die Anlage auch amtlich von dem Kreisveterinär abgenommen. Mit drei Mastschweinen und drei tragenden Muttersauen, sowie dem Wechsel zu einem Bio-Metzger können wir unseren Kunden neben Bio-Backwaren, Bio-Milchprodukten aus Kuh- und Schafmilch in Kürze auch regelmäßig Bio-Produkte aus Schwein und Schaf, sowie Frischfleisch anbieten.

Im November wurde von Rene das Betriebsbüros im zweiten Stock innerhalb von nur zwei Wochen fertig gestellt. Nach dem Umzug habe ich endlich das Gefühl, auch in den Feierabend zu kommen, wenn ich die Türe abends schließe und die Treppe hinunter in unsere Wohnung gehe.

Entstanden ist dank der Zusammenarbeit der vielen Menschen auf dem Eichenhof auch die Möglichkeit mit einem neuen professionellen Verkaufsmobil ab Januar 2005 viermal in der Woche Märkte bestücken zu können. Hier wird in Zukunft Katja unter dem eigenen Firmennamen „Eichenzweig“ ihr Regiment führen und Eichenhofer Waren in Dresden, Bautzen, Cottbus oder wo es sie sonst hin verschlägt, verkaufen.

Eine Pflanzenkläranlage ist im Entstehen durch die Initiative von lieben Kunden und Freunden aus Dresden; na ja und für mich kaum zu glauben: Nach vier Jahren blanken Mauerwerks und Estrich, in dem wir gegessen und gemeinschaftlich unser Frühstück und Mittagessen mit dem gesamten Hofstab eingenommen haben, können wir nun unsere Mahlzeiten im neuen Jahr rundherum in Holz gekleidet im Landhausstil auf Fliesen einnehmen.

Das sind die Lichtquellen, die die Schatten verblassen lassen, die das Jahr für uns bereithielt:

Schatten, wie zwei kaputte Autos. Unser Bus blieb auf der A4 bei Chemnitz mit totalem Motorschaden liegen, wir mit unseren sechs Kindern befanden uns gerade auf der Heimfahrt von der Hochzeit meines Bruders. Außerdem unser kleiner Kastenwagentransporter, der von Michael 100m vor der Haustür an eine Eiche gesetzt wurde. Er war auf seinem Nachhauseweg vom Elternabend in Cottbus am Steuer eingeschlafen. Das Auto hatte Totalschaden, Michael Gott-sei-Dank nur an der Stirn eine Platzwunde und Rippenprellungen.

Ein großer Schatten, den ich fundamental bedrohender erlebt habe, als ich mir das in einem sozial abgesichert lebenden Staat je ausmalen konnte: unsere erfolglose Suche, einen Bäcker zu bekommen, weil konventionelle Bäckergesellen nicht die Qualifikation für einen Hofbäcker haben. Für mich bedeutet das seit September, 8Stunden in der Bäckerei 4-mal die Woche zu stehen und daneben noch meiner Arbeit im Büro, in der Familie und im Betrieb nachzukommen und keine Fehlgeburt zu riskieren. Drohungen eines Einzelnen von behördlicher Seite „uns schneller ins Aus zu verfrachten“, sollte ich in Sachen Dimas Arbeitserlaubnis weiter aktiv sein, warfen mich beinahe komplett aus der Bahn.

Dagegen nahm sich Dank der Souveränität der Mitarbeiter vom Amt für Landwirtschaft eine weniger schöne Agrarkontrolle, nur als Sand im Getriebe aus.

Eine große Lichtquelle im Schattensein im Kampf um Dimas Arbeitserlaubnis bedeuteten für mich zwei Frauen auf entsprechenden Ämtern, die unter persönlichem Einsatz ermöglichten, dass am Mittwoch, den 22.12. der Weg zu einer Arbeitserlaubnis für Dima positiv beschieden wurde. Dies ist auch mein schönstes Weihnachtsgeschenk, weil all die Vorhaben und Weichenstellungen im letzten ¼ des Jahres dahin gegangen sind, den Eichenhof in eine vielgliedrige Wirtschaftlichkeit zu führen:

Im Mai wird die Käserei an Christian Claussner verpachtet, der die gesamte Milch vom Lindenhof aufkaufen und verarbeiten möchte, Katja die zum Markt fährt.

Die Vergrößerung der Bäckerei in der zweiten Hälfte des Jahres um einen weiteren Backofen, eine kleine Fleischlagerung und –Verpackung und der Bau einer Halle für die landwirtschaftlichen Geräte stehen an.

Michael und ich arbeiten mit Erfolg mit einer Betriebsberaterin zusammen zur Schaffung von innerer und äußerer Struktur, so dass diese Zielsetzungen eine Konsequenz aus der Arbeit mit ihr, den Mitarbeitern am Hof und uns selbst ist.

Der Eichenhof wäre aber nicht der Eichenhof, wenn nicht sieben kleine Hofgeister, namentlich Georg, Elisabeth, Annemarie, Wolfgang, Friedrich, Levin, Lorenz unser Leben bereichern und uns den Sinn geben würden, wofür wir das Alles machen. Es ist für Michael und mich und auch für die Anderen das Herzstück, die kleinen Menschenkinder um uns zu haben, mit all ihren Liebeswürdigkeiten und Anstrengungen. An den Kindern dürfen wir lernen und wachsen. Ihre Sorgen schulen unsere Entscheidungsfähigkeit, durch sie lernen wir die Schöpfung verstehen. Sie geben uns Kraft.

Wie mir persönlich insbesondere mein lieber Ehemann Kraft in meiner Schwäche gibt, Halt im Zweifel und mit mir Freude im Gelungenen teilt.

Im März sehen wir der Geburt unseres siebten Kindes entgegen.

Und so danken wir unserem Schöpfer für das Öffnen unserer Augen für all die Lichtquellen die das Leben für uns bereithält.

Vielen Dank für Eure Mithilfe, für euer Menschsein, für Eure Treue, für Ihre Treue unseren Waren gegenüber, für den Glauben an uns.

Wir wünschen Allen ein gesegnetes Neues Jahr, den Mut ihre Träume zu realisieren, Trost für erlittene Wunden, einen Platz, an dem sie sich zu Hause fühlen, Vertrauen in jedermanns Fähigkeit, die Welt im Kleinen ein bisschen heilen zu können.

Eure/Ihre
Doris Bach

Uhsmannsdorf, 31.12.2004